18 Dezember 2014

Fisch im Schlachthofviertel: Italfisch in München

Fisch im Schlachthofviertel? Ist das nicht gar eine Provokation? Aber nein, ganz im Gegenteil. Die Gegend ist sogar bekannt für so einige gute Fischrestaurants. Anscheinend ein echter Gegenentwurf zur Schlachterei nebenan. Wenn die einen zum Weißwurstessen gehen, zieht es die anderen zumindest gedanklich ans Meer. Und dabei kann man gerne bei einem kleinen, sehr authentischen Italiener reinschauen, dem Italfisch in der Zenettistrasse. Näher zum Schlachthof geht fast nicht. Wunderbar und sehr zu empfehlen ist nicht nur die ausführliche Tageskarte mit allem, was das Herz an frischen Fisch und Meeresfrüchten begehrt, sondern auch das kleine Mittagsmenü. Salat oder Suppe, Risotto mit Meeresfrüchten und Espresso zum Abschluss für 16 Euro. Ok, das sind keine Kantinenpreise. Aber wir sind schließlich in München. Und das Hippster-Viertel, der Glockenbach, ist quasi ums Eck. Und die Ausgabe für das Risotto lohnt sich alle Mal, den es schmeckte ganz wunderbar. Das Ganze noch abgerundet mit einem Glas Weisswein, extrem zuvorkommend serviert. So kann ein Mittagsmenu doch auch mal aussehen.

Guten Morgen Isarvorstadt: Cafe Alof

Im Glockenbachviertel ist die Auswahl an Cafes und Restaurants scheinbar unendlich. Und doch gehen alle in die Aroma Kaffebar in der Pestalozzistrasse. Nun, der moderne Glockenbach-Bewohner ist halt ein Herdentier. Denn es gäbe so schöne Alternativen. Viel ruhiger geht es zum Beispiel ein paar Strassen weiter im Cafe Alof, in der Hans-Sachs-Strasse zu. Die beiden Damen hinter dem Tresen kümmern sich rührend und schenken besten Kaffee und Tee aus, oder schneiden ein wunderbares Stück Schokotorte herunter. Absolut zu empfehlen. Im kleinen Raum gibt es Stehtische vor rustikaler Holzwand. Also nicht für zu langes Verweilen, aber hier trifft man sich eben auf einen kurzen Ratsch oder eine kleine Geschäftsbesprechung. Selbstverständlich mit Laptop oder Tablet-PC auf dem Tisch oder unter dem Arm. Hey, wir sind hier schließlich im Kreativ-Zentrum von München. Da muss man zumindest so tun, als sei es der Prenzlauerberg in Berlin. Nur eine kleine Warnung zum Schluss: die Brezn muss man nicht unbedingt probieren. Die ist gut gemeint, aber für meinen Geschmack zu teigig. Bitte an die Kuchen halten.

07 Dezember 2014

Lernen und Speisen in London: Bishopsgate Kitchen

Im Bishopsgate Institut kann man so einiges Lernen, zum Beispiel "Europäische Geschichte" oder
auch "Schauspiel und Drama". Wer aber nicht nur lernen, sondern auch speisen will oder gar nur ein gutes Mittag- oder Abendessen sucht, der ist dem Bildungsinstitut angeschlossenen Restaurant, Bishopsgate Kitchen, bestens aufgehoben. Hier kann man auch ohne Anmeldung ein hervorragendes Dinner nehmen und ganz besonders will ich hier das Risotto empfehlen. Das Ambiente ist entspannt und für London fast relaxed und auch nicht so busy wie in der Billig-Pizza-Connection nebenan. Wer also in London City unterwegs ist, nix wie hin.

Alternativ-Szene in München? Ja, im Wiesengrund

Im Wiesengrund in Haidhausen weht ein revolutionärer Geist. Lassen Sie sich nicht von der
einlullenden, romantisierenden Webseite in die Irre führen. Tatsächlich sitzen hier nach wie vor die Hausbesetzter und die letzten der letzten der 68er Generation, sollte München jemals so eine Szene gehabt haben. Das Haus ist alt und das fühlt man dem Restaurant an. Denn auch wenn die viele weiße Farbe einen frischen Haus suggeriert, so hat man doch das Gefühl, in einer Studentenbude aus den 70ern zu sitzen. Und das ist auch gut so, denn der Wiesengrund ist alles andere als ein typisches Münchnerisches Gasthaus. Kein bayrisches Getümmel, und auch kein Schickimicki-Haidhausen-Getue. Es geht einfach zu und ehrlich. Offen und geradeheraus und dazu gehört dann auch, dass der Wirt einem zum Abschied noch ein paar Tipps zur Kindererziehung mitgibt, denn irgendwie hat er dann doch mitbekommen, dass man sich am Abend mit einer leidenden Mutter über ihre alltäglichen Probleme unterhalten hat. Aber neben der einzigartigen Atmosphäre auch ein Wort zum Essen: die Speisekarte ist klein. Und daher ist jedes Gericht ausgezeichnet. Italienisch angehaucht, aber wirklich fein und auch hier bittet der Wirt ehrlich um ein Urteil und man sollte sich hüten, hier was zu heucheln. Denn der will ein ehrliches Urteil.

Location in München gesucht? Ab in die Schlafwagenfabrik

Ja, kein Witz... in der Schlafwagenfabrik in Neuaubing in München wurden über 80 Jahre lang
Schlaf- und Speisewagen gewartet und gepflegt, doch jetzt ist Schluss damit und daher kann man diese großartigen Hallen, samt ihrer "schäbig lässigen Werks-Atmosphäre" mieten.

Und dazu gibt es auch eine putzig kleine Kantine, die liebevoll mit lustigen Lampen aufwartet und auch herzhaftem Essen, sowie einer großartigen Bierauswahl, angefangen von Augustiner bis zum seltenen, aber hervorragenden Grandauer Bier (also ein Geheimtipp!)

Das ist mal eine Bar - The Top of the Standard in New York


Ein Wahnsinns-Ausblick. Über New York und auch über die Bar. Im Top of the Standard Hotel im
Meatpack District in New York bleibt kein Wunsch offen. Bei schönem Wetter sieht man weit über Manhatten, über die Stadt, kombiniert mit dem strahlenden Blau des Hudson Rivers bzw. sieht man, dass Manhatten eine Insel ist. Bei schlechtem Wetter ist der Ausblick ebenso atemberaubend, denn die Skyline sieht auch nebel- und regenverhangen wunderbar romantisch aus, man kann aber auch den Blick auf die Einrichtung der Roof-Top-Bar legen und auch die raubt einem den Atem. Ein Glas Champagner ist hier das Minimum, was man bestellen muss, denn schließlich hat man nicht jeden Tag so einen Ausblick.

Hat hier Brad Pitt gesessen? Oder hier? Im Soho House in Berlin


Wer im Soho House in Berlin absteigt, der will doch eigentlich nur eines: Promis gucken. Irgendwo müssen die ja sein, wenn jedes zweite Promiinterview im Soho House geführt wird. Zumindest steht das immer irgendwo im Zeitungsartikel. Clevere PR des Hotels. Und die Tatsache, dass man im Club und Restaurant nicht fotographieren und telefonieren darf und dass jeder Hotelgast nur einen Besucher (unbedingt anmelden!) mit in den Club hinaufnehmen darf, erhöht das Celebrity-Gefühl. Wer im Shoreditch House in London schon übernachtet hat, der kennt das Tamtam schon und ist davon auch nicht mehr beeindruckt.
Wie in London, so gibt man sich auch in Berlin betont lässig und das heißt, dass man an der Rezeption und im ganzen Haus geduzt wird. Irgendwie komisch klingt das dann schon, wenn man als über 40jähiger wie ein Kleinkind angesprochen wird. Aber weil das hier wohl jeder Promi über sich ergehen lassen muss, protestiert man nicht. Man will ja auch nicht spießig erscheinen. Dass aber mitten in Berlin das Personal dauernd Englisch spricht, nervt dann schon.
Die Zimmer, wie auch die gesamte Einrichtung des Hotels ist ein Anachronsimus. Obwohl wir die Postmoderne schon längst hinter uns gelassen haben und uns auf das Roboterzeitalter vorbereiten, wird hier die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" bedient. Der Hippster von heute - und auch der Celebrity - will in einem Bett übernachten, dass so tut, als sei es aus den 40ern, will einen Kipp-Lichtschalter bedienen, als sei er aus den 30ern und doch ... oh Wunder, man kann mit dem Fake-Manufaktum-Oma-Lichtschalter den Kristalllüster über dem Bett dimmen. Neben dem Bett steht ein nostalgisch schwarzes Telefon, das dann aber doch statt einer Wählscheibe, Tasten hat und auf der anderen Seite steht ein Radio im 30er-Jahre-Look, aber dahinter steht dann gleich die ipod-Dockinstation. Insgesamt, ganz ehrlich, auf der Webseite sieht alles strahlender aus, als in echt. Die Eingangshalle ist extrem düster und kalt, die Zimmer sind nett, aber nicht wow, die Bar ist plüschig, wie viele Hippster-Bars heutzutage. Fazit: man versäumt nix und Promis waren auch keine da (naja, fast keine. Aber mir fällt jetzt der Namen von dem Dings, nicht ein, der am Abend an der Bar neben mir saß).

02 November 2014

Ohne Porsche brauchst du gar nicht vorfahren: Cafe Sissi in Rottach-Egern

Ja so was von schick, das Cafe Sissi, mitten drin in Rottach-Egern. Hier müssen sie alle vorbei. Am Seeforum und am Cafe Sissi unten drin. Denn das Cafe Sissi liegt so zentral in Rottach-Egern, zentraler gehts gar nicht. Aber wer hier schnell bedient werden will, der sollte entweder Stammgast sein oder standesgemäß für Rottach-Egern mit einem Porsche oder zumindest einem Oldtimer vorbei fahren. Er sollte auch keine sportliche-irgendwie-C&A-Schöffel-Wanderklamotte tragen, sondern bitt´schön einen gepflegten Lodenjanker oder zumindest ein bisserl ein schickes Landhausirgendwas vom Trachten Gössl nebenan. Denn das Sissi ist schick. Schick eingerichtet mit süßen Karo-Kissen, urigen Holzbänken und Tischen vor der Tür und Hirschergeweih, wo es geht. Einfach süß. Landhausschick, passend für das Millionendorf, äh Millionärsdorf muss man sagen. Und so gibt es hier auch nicht irgendeine Nudel- oder Gulaschsuppn, sondern selbstverständlich der Jahreszeitensprechend Maronensuppe mit Zimt oder Kürbissuppe. Und die wird dann auch nicht einfach im Suppenteller serviert, sondern im Glas. Eine schicke Inszenierung. Einfach schee. Man weiß, was man dem verwöhnten Publikum hier schuldig ist. Aber es lohnt sich, hier Halt zu machen. Allein, um die vielen Porsches vorbeifahren zu sehen und die Herren und Damen Millionäre (und ihre passenden Dackelhunde) vorbeiflanieren zu sehen. Denn deswegen kommt man ja her, nach Rottach-Egern.