Risotto in New York - keine gute Idee


Jetzt wage ich mich mal aus dem Hotel raus, nachdem ich klar gemacht habe, dass ich morgen die SZ zum Frühstück bekomme. Bin gespannt, ob das klappt. Als erstes guck ich mal bei Whole Foods rein. Sind die wirklich so genial in der Präsentation von Lebensmitteln? Eindeutig ja. Sie suggerieren Frische und alles sieht super lecker aus. Und Masse. Da ist nicht ein Orangenregal, da ist eine ganze Wand voll mit Orangen. Ein traumhafts Bild. Nich ein Sushi-Stand, sondern eine ganze Abteilung. Essen aus allen Ecken der Welt.
Was aber am meisten erstaunt: wie schaffen es die Amis hier irgendwie vernünftig einzukaufen? Unter 2 Orangensäften einen auszuwählen? Aus 10 Käseregalen den Lieblingskäse zu identifizieren? Und alles, was es im Ganzen gibt, gibt es auch schon geschnippelt und geschält. Gelbe Rüben, Ananas, Salat tonnenweise, Mango, Kartoffeln ... Und wieso kauft hier überhaupt jemand was ein? Wann bitte schön essen die denn zu Hause oder kochen gar? Alle Coffeshops sind in der Früh voll, alle Fast Foods mittags besetzt und Restaurants abends brechend voll. Die Leistung dieser Menschen hier mit dem Überangebot fertig zu werden, ist echt bemerkenswert. Gut ich will nicht unerwähnt lassen, dass man neben Bars und Restaurants hier mindestens genauso viele Fitness Clubs, Yoga Center, Health und Spa Center sieht.
Und auch unglaublich waren die beiden riesigen Regale in Whole Foods mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Wann die sich das einwerfen, kann ich nun wirklich nicht sagen.
Ein Streifzug durch Greenwich und Soho ist sehr spannend. Leider ist die Stadt halt super heruntergekommen und dreckig. Aber die mögen das ja so, wie ich gerade in der FAZ gelesen habe. New Yorker ziehen jetzt gerne nach Berlin, weil sie sich durch die noch niedrigen Mieten und Graffity an das alte NY erinnert fühlen. Aber angeblich hat "Sex and the City" alles kaput gemacht, denn jetzt ist NY endgültig chick und unbezahlbar.
Unerwartet trifft mich, dass ich fast nur Afroamerikaner, Asiaten oder Latinos sehe. Sorry, das ist nicht rassistisch gemeint, es überrascht mich nur. Sie sind Verkäufer, Museumswärter, Sicherheitsbeamte, Taxifahrer. Wo sind eigentlich die Typen, die man aus Seinfeld und Sex and the City kennt?
Doch nach wie vor ist NY faszinierend - besonders für seine Museen. Und erst kürzlich kam ein neue hinzu: The New Museum. Und dieses will ich allen NY-Besuchern ganz stark empfehlen. Wegen seiner unglaublichen Architektur, wegen der faszinierenden Aussicht vom 7. Stock und der frischesten Contemporary Art. Nicht empfehlen kann ich dort zu essen. Eigentlich ist Essen im Museum in der Regel eine "Sicherheits-Maßnahme". Anstatt sich draußen im Dschungel der Großstadt einen authentischen Ort zum Essen zu suchen, bleibt man lieber im sicheren Umfeld des Museums. In der Kantine des MOMA kann man tatsächlich ziemlich gute Burger bekommen. Leider nicht so im "New Food", der Cafeteria des "New Museum". Obwohl die silberne Alutüte, die mir überreicht wird, als ich Salat Nr.2 bestelle, besser bekannt als Cesar Salad, fast schon wieder kultig ist. Astronautenessen. Die Salatblätter sind auch irgendwie frisch, aber alles andere ist stroh trocken. Am Nachmittag stand dann "Shopping" an. Denn der Dollarkurs ist doch so super ... Doch leide muss ich feststellen, dass ich eigentlich alles habe, was ich brauche und das 1.500 Dollar für ein Prada-Kleid, das nur soso passt, immer noch zu viel ist. Am Abend treffe ich dann die ersten Kollegen aus aller Welt. Leider kann ich "The Borough" in der 22sten ganz und gar nicht empfehlen. Zusammen mit der italienischen Kollegin entschied ich mich für ein Risotto mit Wildpilzen. Ein Fehler. Weiße Pampe mit viel Knoblauch ist eine bessere Beschreibung und der anschließende Espresso war eher dünn. Nun, morgen kann es nur besser werden. Fortsetzung folgt.

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