Abtauchen ins Friaul - Italienisch essen in München

Das Friaul ist vielleicht nicht Italiens schönste Gegend. Und schon gar nicht, wenn man dort ist und es regnet in Strömen. Aber das Friaul hat etwas, dass die Fahrt dorthin lohnt: seine Küche und seine Weine. Aber man kann sich den weiten Weg sparen, wenn man seinen Weg in die Zenettistrasse lenkt, in die Osteria und Pizzeria Friulana. Doch eine kleine Warnung vorweg: Wer den Weg dorthin macht, der macht auch eine Zeitreise. Eine Reise in die 70er mit all ihrem Charme und auch ihren dekorativen Sünden. Wer schon lange nicht mehr den Weinspender, der bei seinen Eltern verstaubt in der Ecke stand, gesehen hat ... ja genau, dieses Ding aus Glas, das in einer schmiedeeisernen Vorrichtung verziert mit eisernen Weinblättern und mit dem Ausguss nach unten, indem niemals Wein war ,... wer das Ding schon lange nicht mehr gesehen hat, der hat im Friulana mehrfach dazu Gelegenheit. Auch die schmiedeeisernen Trennwände zwischen den Tischen in der oberen Nische, die Glaskronleuchter und die Faltung der Tischservietten ... alles hat sich original aus den 70ern rübergerettet. Doch auch, wenn man kein Fan der 70er ist (wer ist das schon?), der fühlt sich trotzdem wohl im Friulana. Denn hier gibt es ehrliche Gastfreundschaft und wird ehrlich gekocht. Kein ChiChi und Schnickschnack. Nur Frisches kommt auf den Tisch und Gerichte, die der Koch aus seiner Heimat mitgebracht hat. Die Bedienung ist Holländerin, war lange in der Schweiz und ist wohl mit einem Italiener verheiratet, so vermischt sich ihr Akzent in ein wunderbares Singsang, mit dem sich jedes Gericht gleich doppelt so lecker anhört und man am liebsten alles bestellen möchte. Aber es ist auch egal, was man bestellt: alles ist gut. Die Büffelmozzarella ist ein Gedicht. Weil echt. Die Trüffelpasta duftet umwerfend und der Fisch mit der Brennesselkruste ist sagenhaft. Bei der Weinauswahl müssen wir uns selbst beim nächsten Mal mehr Mühe geben, denn wir waren so begeistert, dass es aus Sizilien einen Weißwein der Corrleones gab, dass wir nur wegen dem Namen bestellt haben. Keine gute Idee. Wir hätten bei dem Pinot aus dem Friaul bleiben sollen. Aber ansonsten, ein rundum gelungener italienischer Abend, mit Angeboten, die man nicht ablehnen kann.

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