White Trash in Berlin

Wer einen Laden in Berlin so nennt – White Trash Fast Food und Tattoo Studio - hat allein schon durch den Restaurantnamen gewonnen. Und wenn man dann auch noch den aktuellen Gastrotrend mitkreiert, kann ja gar nix mehr schief laufen.  Im White Trash gibt es Fleisch. Und nichts ist ja derzeit Land auf und Land ab angesagter, als Restaurants, die gnaden- und kompromisslos der Fleischeslust frönen. Da hilft auch nicht, dass die Vegetarierlobby verzweifelt auf die Klimasünden der Fleischindustrie und Fleischesser aufmerksam macht. Die Szene will Fleisch. Das White Trash ist also mehr als angesagt. Fragt sich nur, wie lange das gut gehen soll, doch wenn man erst einmal in dem Laden drin ist, dann gibt man ihn schon noch ein paar Jährchen. Vor allem hat das Restaurant schon eine paar Jahre hinter sich. Die Nachmieter haben sich gar nicht erst die Mühe gemacht, um die obligatorischen chinesischen Steinlöwen vom Eingang wegzuräumen und auch im dunklen, vertäfelten und verschachtelten Innenraum gibt es noch zahlreichen Zeugen des asiatischen Vorbesitzers. Oder war es auch mal ein irisches Pub? Egal, jetzt ist es einer der angesagtesten Läden Berlins und da passt es einfach zum Image, dass die Bedienung einen erst einmal anschnautz, wenn man reinkommt. Ok, es ist eng im White Trash und mit zwei Rollkoffern sich durch die Tischchen zur Bar durchzudrücken, war wohl wirklich keine gute Idee. Aber wir schaffen es eines der Minitische zu ergattern und trotz schlechter Beleuchtung (alles Konzept!) die hippe Speisekarte zu entziffern. Das Rindfleisch, das dann aber prompt auf meinem Teller liegt und der Kartoffelbrei, pardon, trendy Mash Potatos sagt man ja jetzt, sind wirklich ein Gedicht und brennen sich bemerkenswert als „hervorragend“ ins kulinarische Gedächtnis ein. Fazit: Nicht von dem wilden Gedöns abschrecken lassen. Die wirklich wilden Kerle mit den Tattoos sind gar nicht drin – und die Speisekarte und Webseite sind wirklich sehenswert.

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