Der Ludwig Thoma hat´s probiert: Hotel Zur Post in Seebruck

Wer im 16. Jahrhundert von München nach Salzburg gereist ist, der hat in der Regel im Hotel Post in Seebruck übernachtet. Seit 1501 steht der Gasthof da. Man kann ihn also schon ein bayerisches Traditionshaus nennen. Noch dazu hat sich 1892 die Mutter von Ludwig Thoma als Gastwirtin versucht.  Heute betreibt die Post die Lydia Krajnik mit Familie und mit Durchsetzungsvermögen.  Im Hotel „Zur Post“ gibt es alles, was man sich von einem bayerischen Gasthof erwarten kann: eine bzw. zwei Stuben, natürlich die „Ludwig-Thoma-Stube“ (logisch, so ein werbewirksames Pfund muss man schon ausnutzen) und die „Post-Stube“. Dann einen Veranstaltungssaal für Hochzeiten und sonstige herausragende Anlässe, eine herrlich große Terrasse, Garten und Kaffee im Kännchen. Alles im Stil des 19. Jahrhunderts belassen, was natürlich auch heißt: a bisserl Lüftlmalerei, Gummibäume und Grünpflanzen, die es sonst nirgends mehr gibt, ein paar Staubfänger an der Wand und Einrichtung Eiche rustikal. Und auf gar keinen Fall eine besondere Würdigung, dass man ja direkt am Ufer der Alz steht. Wasser ist für den Seebrucker am Chiemsee nix besonderes, also warum sollte dann ein so stattlicher Gasthof da irgend ein Aufhebens machen über die Tatsache, dass direkt am Ausfluss zum bayerischen Meer gelegen ist. Wahrscheinlich sitzt der Seebrucker ja ohnehin eher drinnen und überlässt den Sommerfrischlern den Garten. Zum Essen: traditionell und auch traditionell gut. Es gibt keine Experimente auf der Tageskarte und das ist auch gut so. Die Renke wird immer kleiner, aber das ist ein Problem der Seefischer und nicht der Küche von der Post. Denn schmecken tut eine Renke hier hervorragend (auch wenn mir ein Wiener Schnitzel immer noch am Liebsten ist). Die gute Küche lobe nicht nur ich, sondern auch andere.  Fazit: die SchickiMicki-Touri-Truppe geht zum Hafenwirt. Der Seebrucker geht zur Post. Und das ist auch gut so.

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