Hat hier Brad Pitt gesessen? Oder hier? Im Soho House in Berlin


Wer im Soho House in Berlin absteigt, der will doch eigentlich nur eines: Promis gucken. Irgendwo müssen die ja sein, wenn jedes zweite Promiinterview im Soho House geführt wird. Zumindest steht das immer irgendwo im Zeitungsartikel. Clevere PR des Hotels. Und die Tatsache, dass man im Club und Restaurant nicht fotographieren und telefonieren darf und dass jeder Hotelgast nur einen Besucher (unbedingt anmelden!) mit in den Club hinaufnehmen darf, erhöht das Celebrity-Gefühl. Wer im Shoreditch House in London schon übernachtet hat, der kennt das Tamtam schon und ist davon auch nicht mehr beeindruckt.
Wie in London, so gibt man sich auch in Berlin betont lässig und das heißt, dass man an der Rezeption und im ganzen Haus geduzt wird. Irgendwie komisch klingt das dann schon, wenn man als über 40jähiger wie ein Kleinkind angesprochen wird. Aber weil das hier wohl jeder Promi über sich ergehen lassen muss, protestiert man nicht. Man will ja auch nicht spießig erscheinen. Dass aber mitten in Berlin das Personal dauernd Englisch spricht, nervt dann schon.
Die Zimmer, wie auch die gesamte Einrichtung des Hotels ist ein Anachronsimus. Obwohl wir die Postmoderne schon längst hinter uns gelassen haben und uns auf das Roboterzeitalter vorbereiten, wird hier die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit" bedient. Der Hippster von heute - und auch der Celebrity - will in einem Bett übernachten, dass so tut, als sei es aus den 40ern, will einen Kipp-Lichtschalter bedienen, als sei er aus den 30ern und doch ... oh Wunder, man kann mit dem Fake-Manufaktum-Oma-Lichtschalter den Kristalllüster über dem Bett dimmen. Neben dem Bett steht ein nostalgisch schwarzes Telefon, das dann aber doch statt einer Wählscheibe, Tasten hat und auf der anderen Seite steht ein Radio im 30er-Jahre-Look, aber dahinter steht dann gleich die ipod-Dockinstation. Insgesamt, ganz ehrlich, auf der Webseite sieht alles strahlender aus, als in echt. Die Eingangshalle ist extrem düster und kalt, die Zimmer sind nett, aber nicht wow, die Bar ist plüschig, wie viele Hippster-Bars heutzutage. Fazit: man versäumt nix und Promis waren auch keine da (naja, fast keine. Aber mir fällt jetzt der Namen von dem Dings, nicht ein, der am Abend an der Bar neben mir saß).

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