Man kommt wegen der Ente: Weißsachalm in Rottach-Egern

Wer in Rottach-Egern in ein Lokal einkehrt, der sollte eigentlich wissen, auf was er sich einlässt. Die Stadt platzt einfach vor zu viel Geld und Geldadel und dieses Millieu macht natürlich vor der Gastronomie - und selbst vor einer Alm, mitten im Wald - nicht Halt. Wer also mit dreckigen, klobigen Schuhen und billiger Wanderklamotte vom C&A den Gastraum der Weißachalm betritt, weil er oder sie gerade an der Weißach entlang gewandert ist, der zieht schon mal alle Blicke auf sich. Und nicht nur wohlwollende Blicke. Denn an den Tischen sitzen gut situierte Damen, zu erkennen an auftoupierten Haaren im "Ausgehdirndel" oder Trachtenkostüm, zusammen mit ihren seriösen Ehemännern, alle im Trachtenanzug, dass man meinen Könnte, alle Jäger des Tegernseer-Tals hätten heute hier ihr Jahrestreffen. Aber am Dialekt oder gar fehlenden Dialekt erkannt man dann, dass es sich um Einwohner oder besser gesagt "Teilzeit-Einwohner" von Rottach-Egern handelt: Großunternehmer und Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführer mittelständischer Familienbetriebe, Weltmarktführer und Chefs sogenannter Hidden Champions und die Porsche Cayennes und VW  Touaregs am Parkplatz vor der Tür haben sie hergebracht. Nix Wanderer und nix Alm für Wanderer. Die Bedienung ist auch dem entsprechend kurz angebunden zu uns, denn sie erwartet 1. dass wir ihr die Gaststube schmutzig machen, sie weiss 2. dass wir nicht reserviert haben und ihr ist 3. auch klar, dass wir keine ganze Ente samt fetten Trinkgeld bestellen und da lassen werden. Der kleine Kaffee, den wir bestellen, ist nicht der Rede wert, der Apfelstrudel auch nicht. Und schon sind wir wieder weg. Wir wollen die gehobene Gesellschaft ja nicht stören.

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